Mein Bericht vom Lavaredo Ultra,

am Donnerstag nach der Arbeit sind wir gemütlich losgefahren um das größte Verkehrsaufkommen zu umfahren. Angekommen in Cortina, gerade noch rechtzeitig, um die Startunterlagen im Empfang zu nehmen. Gleichzeitig mussten wir unsere Pflichtausrüstung vorzeigen. Alles dabei.

Shirt in Empfang genommen und noch kurz über den Expobereich geschlendert. Auf die Pasta hatten wir keine Lust und haben uns stattdessen unsere eigenen Spaghetti gekocht, vor dem Eisstadion. Im Anschluss noch kurz eingekauft und dann? Auto am Bahnhof abgestellt und zum Zieleinlauf des Skyrace gegangen. Carsten Reichel von meinem Team RocknTrail ist hier mitgelaufen. Mit ihm noch kurz gequatscht und Kathi Schichtl kam auch noch hinzu. Als nächstes Stellplatzsuche. Die erste Überlegung war es, einen Campingplatz aufzusuchen. Auf dem Weg zu den Campingplätzen haben wir eine Markierung zu einem Wanderparkplatz gesehen, dem wir gefolgt sind, um dann eine sehr ruhigen Platz im Wald zu finden. Noch einen Becher Wein und ab in die Heia.

Nach einer sehr ruhigen Nacht dann morgens um 8 wecken durch einen Holzlaster, der beladen werden wollte, schade. Gut, also aufstehen und gemütlich frühstücken.

Leider ist der Samstag irgendwie ein sinnloser Tag, da der Start erst um 23:00 Uhr ist. Mittags noch eine Pizza und Nachmittags nen Cappuccino und natürlich am Abend nochmals Nudeln für die Lange Strecke. Der Versuch noch etwas Schlaf zu finden ist aufgrund Lärm, Hitze und Aufregung erfolglos geblieben. Am Nachmittag und Abend dann der Albtraum, Gewitterwolken. Bis ca. 21:00 sah es nach trockenen Bedingungen aus und dann öffnete sich der Himmel. Es goss wie aus Eimern und uns überkam ein Gefühl der Ehrfurcht. 22:30, die letzten Tropfen, hoffentlich. Alle Läufer zogen ihre Regenjacken an. Notwendig? Wir mußten los, zum Start. Es war höchste Zeit. Ohne Regenjacke? Risiko? Der Regen hörte pünktlich auf, also ohne. Der Startblock, der Horror. 1600 Teilnehmer und wir kamen nich rein, erstmal. Mit etwas Drängeln ging's dann doch. Sardinendosenfeeling pur und die letzten 15 Minuten waren sehr unangenehm, weil eng, weil Schweiß und Adrenalin ein unangenehmes Klima erschufen.

Punkt 23:00Uhr der Startschuss, zumindest für die vorderen. Für uns dauerte es noch etwas, bis der Tross sich in Bewegung gesetzt hatte. Die ersten 2-3 Kilometer bin ich mit meinem Schatz Gabi gelaufen, irgendwo im Mittelfeld. Dann hat sie mich weggeschickt und ich bin gelaufen. Am ende der ersten ca. 1000hm habe ich mich ins vordere Drittel vorgearbeitet. Leider gibt es immer wieder Teilnehmer, die einen nicht vorbei laufen zu lassen. Mein Bitte, lasst schnellere Läufer einfach vorbei, Euer Verhalten ist unsportlich und nicht alle Läufer platzieren sich ihrer Leistungsklasse entsprechend einordnen. Nach ca. 30 min mein erstes Problem. Meine Stirnlampe, die ich mit einem neuen Akkupack versehen habe, hat mich trotz mehrfachem Be- und Entladevorgang im Stich gelassen. Da ich nich stoppen wollte, um die Batterien zu erneuern, musste ich mich an die anderen Läufer halten und lief im Lichtschein anderer Teilnehmer. Erst an VP1 habe ich die Batterien gewechselt. Der Lauf im Stirnlampenschein war bis dahin sehr Reizvoll. Obwohl nicht sehr viel zu sehen war, war der Weg, der zum Teil an einer Felswand entlang ging sehr flowig zu laufen. Der Abstieg zur ersten VP war durch die Fehlende Stirnlampe sehr spannend aber dennoch machbar. Schnell was Essen und Trinken und dann weiter. Leider musdte ich feststellen, dass Isostar nicht meins ist. Mir wurde übel und den Isotrink von Isostar fand ich einfach nur ungeniesbar. Also nur Wasser und weiter geht' s. Aber 120 km ohne ISO? Das wird hart. Wie gut, dass ich etwas Eigenverpflegung eingepackt habe, aber nur Wasser. Auf dem Wg zum VP2 habe ich Noch Kathi Schichtl überholt, bzw. wollen, da sie gestürzt ist. Ich habe versucht sie etwas aufzubauen und mich versichert, das sie weiterlaufen kann. Mein Angebot, sie zu begleiten hatte sie abgelehnt. Also weiter. Ca. 4-5 Kilometer mußte ich selbst feststellen, dass es mir nach dem Isostar-zeugs immer schlechter ging. Am VP ging es mir richtig schlecht, beinahe wie letztes Jahr beim Eigerultra, nur leider viel zu früh. Ich bekam Schüttelfrost und Kreislaufprobleme. Ich dachte 10 min lang über' s aufgeben nach und habe nur etwas Kuchen gegessen und Wasser getrunken. Ein anderer Läufer hatte mich motiviert, es mit Cola zu versuchen und tatsächlich, nach ein paar Minuten ging es mir wesentlich besser. Also wollte ich es weiter versuchen, obwohl ich viel Zeit verloren hatte. Kathi hat mich trotz ihres Unfalls ebenfalls schon überholt.
Noch gut eine Stunde und die Stirnlampe war nicht mehr notwendig. Auf dem weg zum nächsten VP an der Auronzohütte gab es Streckenabschnitte, die aufgrund des vielen Regens sehr aufgeweicht waren und somit schlüpfrig und schlammig. Nicht sehr schön zu laufen. Weiter zum Misurinasee, zwischenzeitlich ohne Stirnlampe. Der Aufstieg zur Auronzohütte war sehr Langatmig aber schön. In der Hütte selbst, Vollbremsung. 15 min für einen Teller Suppe, das gab's noch nie in 17 Jahren laufen. Ich konnte aber dennoch nicht darauf verzichten, da mein Kreislauf doch etwas angeschlagen war. Aufgelaufen bin ich hier auch wieder auf Kathi. Da ich etwas rausnehmen wollte oder am nächsten VP sogar abbrechen, haben wir uns geeinigt, zusammen zu laufen, da wir beide auf jeden Fall das Streckenhighlight, die Drei Zinnen, bei Morgensonne, sehen wollten. Da ich mich aufgrund des etwas langsameren Tempos wieder besser gefühlt habe, wollte ich doch versuchen, nach dem nächsten VP fortzusetzen, aber ich wollte die letzten 50 km mit Gabi laufen, um mich etwas tz schonen und zwar langsamer zu sein, aber anzukommen. Also warten am nächsten VP. Dort habe ich mich zuerst mal komplett umgezogen und in Ruhe gegessen und getrunken. Nach 1:30 h warten, war mir klar, dass mit Gabi was nicht stimmen kann. Per SMS habe ich sie darüber informiert, dass ich auf sie warten würde. Kathi hatte sich endgültig zum Ausstieg entschieden. Gabi's Antwort war, dass ich weiterlaufen soll und sie aussteigen wird, da es ihre sehr schlecht ging, da sie an der Auronzuhütte die Wasserstelle nicht gefunden hatte und über 2h ohne Wasser unterwegs war. Zuerst wollte ich weiter, aber habe mich dann doch entschieden, zu warten bis Gabi da ist und erst dann weiter zu laufen. Zum Glück. Gabi kam ca. 2h später an und ist in meinen Armen zusammen gebrochen. Da wollte ich nicht weiter. Wir haben beide abgebrochen. Resume: ca. 70 km in knapp 10h mit Hochs und Tiefs. Starker Anfang, schwache Mitte, wieder Konstanter nach Tempominderung. Mein erstes DNF in 17 Jahren. Ich habe mit dem Lavaredo noch eine Rechnung offen. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich den Lauf fortgesetzt hätte.