Mein Zugspitz Supertrail 2015

Meine Frau Gabi hat vor knapp 3 Wochen in der Trailrunners Börse von einem Startplatz zum Salomon Zugspitz Supertrail 2015 gelesen. Da ich kurz vorher den Ultra Trail Lamer Winkel finishen konnte und es mir dabei nicht so schlecht ging, habe ich mich entschieden, den Startplatz kurzfristig zu übernehmen, danke Jonas.

 

Einige Tage vor dem Event waren die Wetteraussichten zwar nicht perfekt aber dennoch akzeptabel. Zwischendurch sollte es ein paar Schauer geben, Temperaturen um die 20°; aha, super, ich habe mich gefreut, da das eigentlich meine Bedingungen sind. Bereits bei der Anreise nach Grainau Regen, obwohl auch am Freitag noch schönes Wetter sein sollte, sollte... Egal, morgen wird´s besser, dachte ich zumindest.

Die Parkplatzsituation in Grainau war eine Katastrophe. Ich habe mir die Frage stellen müssen, ob das Teilnehmerlimit für diese Veranstaltung nicht überschritten sein könnte. Die Feuerwehr hat uns dann auf einen Parkplatz auf einer Wiese am Ortsende geleitet. T5 California mit Sommerreifen auf einer Wiese? Das könnte spannend werden. Beim Abstellen noch alles bestens.

Also los zur Akkreditierung, vorher noch die Kohle holen für die Pfandgebühr des Zeitmessungschips weil zu Hause vergessen im Wettkampf-Wahn;-)

Die Unterlagen und die Startnummer waren bald abgeholt und das Pflichtprogramm dieses Tages erledigt. Auf zum Nudelessen im Pavillion im Grainauer Park. Vorher noch ein Besuch der EXPO-Area. Während ich mich dort umgesehen habe, habe ich erfahren, dass die Pflichtausrüstung für unsere Strecke geändert wurde, aufgrund schlechter Witterung. Lange Hose, langes Oberteil. Super, ich hatte keine lange Hose dabei, wofür auch, sollte ja gutes Wetter werden. Also die Alternative 3/4 Hose und Calfs. Der Händler hat sich gefreut. Wie gut, dass es einen Einkaufsgutschein gab und somit auch einen Anlass diesen zu verwenden.

Im Anschluss die Nudeln. Ich habe die Variante mit Tomatensoße gewählt, die sehr lecker war. Dazu einen Salat und ein Freigetränk, nicht schlecht.

Das Briefing haben wir uns am heutigen Tag nicht mehr angetan, da es unser Ziel war, mit unserem Bus noch nach Leutasch zu fahren, um am nächsten Morgen etwas länger schlafen zu können. Gesagt getan, denkste, da war ja noch die Wiese und der T5 mit Sommerreifen. Wie gut, dass die Feuerwehrmänner, die uns vorher dort reingeschickt haben noch da waren, um uns wieder rauszuschieben. Nach 15 Minuten hatten wir dann den "Kleinen" befreit. Der hat mal ausgesehen...Paniert von oben bis unten:-(

Egal, auf nach Leutasch.

Schnell haben wir an einem Sportplatz eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden und nach einem Fläschen Wein auch unser Bett. Am nächsten Morgen konnten wir, während die anderen schon im Pendelbus gesessen haben noch ein bisschen schlafen. Und das Wetter? Es hat die ganze Nacht geregnet und ich habe mir die ganze Nacht überlegt: "was zieh ich morgen an".

Nach dem Frühstück erstmal 3/4 Hose und Calfs, Unterhemd, Shirt, Regenjacke, Rucksack, Handschuhe. Handschuhe? Mist ich habe meine Stöckel-Handschuhe zu Hause vergessen. Also musste es ohne gehen. Die warmen waren ja dabei.

Wir hatten nur ca. 5 Minuten Fahrzeit zum Start und die Parkplatzsuche war auch dort etwas kritisch, da bereits alles voll geparkt war. Na ja, egal einfach irgendwo abstellen, Gabi fährt eh nach dem Startschuss zum Ziel nach Grainau.

Noch 30 Minuten bis zum Start. Ich habe mir eine zweite Regenjacke übergeworfen, damit der Rucksack nicht sofort Nass wird. Wofür das denn, er war nach dem Start eh nach 5 Minuten durch.

Noch 5 Minuten bis zum Start. Habe ich schon erwähnt, dass ich aufgeregt bin?

Dann noch ´nen Knutscher für Gabi und Startschuss, los geht´s.

Die ersten zwei Kilometer sind relativ gemächlich auf Asphalt. Gut zum Einlaufen.

Dann geht´s aber auch schon los mit dem Anstieg zum Scharnitzjoch. Das sind gut 900 Hm am Stück. Auf der halben Höhe, an der Hämmermoosalm, Schneeflocken. Was für Dinger? Toll.

Ab der Alm wird der Weg ein Trail und Wanderweg, verblockt, geröllig und durch den vielen Regen und Schnee nass, schlammig und extrem rutschig. Dort treffen die Strecken Ultratrail, Supertrail XL und Supertrail aufeinander. Bis zum Gipfel hat die Schneemenge zugenommen. Es waren dort ca. 3 cm Neuschnee. Das Gute ist, dass der Aufstieg relativ kurzweilig ist, man ist viel schneller oben, als man denkt. Ich habe jemanden neben mir einen Bergwachtler fragen hören, ob wir schon oben sind. Ja, sind wir, jetzt geht´s erst mal bergab.

Der Abstieg war ebenfalls sehr rutschig und auf den ersten Höhenmetern lag auch eine geschlossenen Schneedecke. Egal, ich habe alles riskiert und hab´s einfach rollen lassen. Ich hab mich etwas zurückgehalten und wollte ohne große Anstrengung runterlaufen, um mir für den zweiten Abstieg noch ein paar Körner in Reserve zu halten. Einige hatten vielleicht die falsche Schuhwahl getroffen. Viele sind gerutscht, ein paar auch gefallen, also auf den Hintern.... Ich habe einige Plätze gut machen können, dank dem La Sportiva Raptor, ein Schuh, der mich bei diesen Bedingungen total überzeugt hat. Als es dann etwas flacher wurde und es keinen Schnee mehr gegeben hat, bin ich an Christian Filk vorbei, der gehumpelt hat. Meine Frage nach Hilfe hat er abgewunken. "Es geht gleich wieder, ein paar Schritte gehen", seine Antwort. Von da an, haben wir uns beide abgewechselt. Er ist ein guter Läufer auf den laufbaren Teilen der Strecke, ich bin an den Anstiegen wieder an ihm vorbei. Irgendwann hatten wir sogar die Zeit ein paar Worte zu wechseln. Vielleicht ein neues TransalpineRun-Team für 2016....?....

Nach ca. 14-15 Km dann endlich die erste Verpflegungsstelle für den Supertrail und bereits die fünfte für den Ultratrail. Für die wäre dort Halbzeit gewesen, hätte die Rennleitung für die Ultratrail und Supertrail XL- Strecke keine Alternativroute entschieden. Wie immer bei Veranstaltungen von PlanB ist das Renn-Catering hervorragend. Nüsse, Obst, Suppe, Riegel, Gels und vieles mehr. Alles was das Läuferherz begehrt. Nach dem Hubertushof geht es dann weiter auf einem relativ langweiligen Schotterstück. Eben, häufig gerade, langweilig halt. Aber man macht etwas Strecke. Das ist der Zeitpunkt, wo ich den La Sportiva nicht mag. Er macht mich auf solchen Abschnitten langsam. Er ist schwer, er ist globig und ich komme schlecht auf den Vorfuß. Ich bin auf solchen Abschnitten eindeutig noch zu langsam und Christian geht mal wieder an mir vorbei. Ich bin frustriert. Weitere Läufer gehen an mir vorbei. Ich kann nicht schneller, nein ich will auch nicht schneller. Da kommt noch einiges wofür man Kraft braucht. Zwischendurch noch einen Kilometer Teer, bevor es dann in die Geisterklamm geht. Etwas Abwechslung. Ein paar Höhenmeter, aber immer noch auf breitem Schotterweg. Das zieht sich bis zum Ende der Klamm, dann ein kleiner Abstieg. Vorbei an Christian, er ist gestürzt aber es geht ihm gut. Noch ein paar Meter auf Teer und weiter nach Mittenwald zum Schützenhaus und zur zweiten Verpflegungsstelle nach einem kurzen Anstieg. Und endlich ein Trail. Die Strecke zwischen Mittenwald und der Verpflegungsstelle Ferchensee ist nur ca. 5 km lang. Kurz vor dem Ferchensee geht der Trail dann wieder in einen Schotterweg über. Nachdem der See auf einer Seite umlaufen war, die dritte Verpflegung. Dort gab es sogar Reis und Kartoffelpüree. Und noch etwas: es regnet nicht mehr, Sonne! Schnell die Regenjacke ausgezogen und weiter geht es. Jetzt kommt das schlimmste Stück. 8 km auf Schotter mit einem Anstieg von ca. 250 hm in Stufen. Fiese Rampen, die an der Ausdauer zehren. Ich wechsle mich mit Christian ab, am Anstieg überhole ich, auf der Ebene er. Im Anschluss dann der Abstieg auf steilem Wurzelweg, der alles fordert, an Technik und an Ausdauer. Ich bleibe dran, noch geht es mir gut und ich überhole einige technisch schlechtere Läufer. Im Tal die Partnach, der tiefste Punkt der Strecke. Nachdem wir eine Brücke überquert haben, geht es direkt wieder steil nach oben und ich merke, wie meine Beine dicht machen. Ich kann nicht mehr laufen, ich muß gehen, Christian zieht davon. Die nächsten 2 Kilometer bis zur Verpflegungsstelle fordern mental nochmal alles von mir. Ich denke über´s Abbrechen nach. Was ist los? Warum geht nichts mehr? Zu spät gegessen? Ich weiß es nicht. Ich rette mich zur Verpflegungsstelle an der Partnachalm. Dort erstmal wieder die Regenjacke an, ich friere, es regnet schon wieder. Ich habe mir viel Zeit genommen, erstmal ein Gel, einen Riegel, viel trinken und was ich noch nie gemacht habe, Suppe. Ich dachte, Salz, das kann jetzt nicht das schlechteste sein. Die Suppe war lecker, also noch ein Becher. Mental ging es mir dann schon wieder viel besser und meine Abbruchgedanken waren verflogen. Alsoi weiter geht´s, nur noch 20Km 1100Hm, das muß doch zu schaffen sein. Die nächsten paar Kilometer habe ich noch gebraucht um mich zu erholen und so erstaunlich das klingt, ich habe mich wieder gefangen und konnte am Anstieg zum Längenfelder nochmal richtig Druck machen. Ich habe wieder einige Plätze gut gemacht. Der Anstieg zum Längenfelder war ein einziger Bach, aber egal, war eh schon alles nass. Nach 700 hm kommt man dann oben am Kreuzeck an und hat noch ein paar Meter bis zum Längenfelder und der dortigen Verpflegungsstelle.

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Auf dem Weg dorthin hat mich schon ein anderer Läufer darüber informiert, dass der letzte Anstieg auf den Osterfelderkopf nicht gelaufen werden würde, wegen des Wetters. Einerseits war ich enttäuscht andererseits erleichtert. Enttäuscht, weil ich im Anstieg nochmal richtig gut drauf war und erleichtert, weil ich mir nicht sicher war, ob das bis zum nächsten Gipfel angehalten hätte. Egal, Verpflegung, eine Büchse Cola aus Österreich und Abflug. Abflug, das ist der richtige Begriff für diesen letzten Abstieg. Ich war noch nie so schnell in Grainau. Obwohl die Strecke nass und matschig war, konnte ich laufen. Ich weiß nicht,  ob´s am Schuh lag, meiner eigenen Verfassung oder an der Strecke selbst. Es lief richtig gut. In 41 Minuten war ich vom Längenfelder in Grainau. Siebtschnellste Zwischenzeit, Hammer. Ich hatte echt Spaß dabei und das obwohl es mir zwischendurch so schlecht ging. Sogar die letzten beiden Kilometer, die ich gar nicht mag, auf Asphalt, bin ich bis ins Ziel durchgelaufen.

Und da war es, das Ziel, ein Traum, Ich höre das Publikum applaudieren, Meine Frau steht vor mir und es ist nur ein kleiner Schritt für mich, ein großer Schritt für... Papperlapapp. Ich bin im Ziel und die Freude war groß, 07:14, eine gute Zeit, ich bin zufrieden.

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Doch dann ein Schock, der Moderator spricht mich an: "geh mal zur Zeitnahme, da stimmt was nicht". Was? Ok, also zur Zeitnahme, die Freude vergessen, der Triumph wie weggeblasen. Die Zwischenzeit am Hubertushof fehlt, super. Disqualifikation? Die Herren sind sich unsicher. Ich zeige meine Uhr. Ich habe den Nachweis, dass ich dort war und ich habe die Uhrzeit, dank GPS-Track. Nach einigem prüfen, dann die Erleichterung, die Daten wurden gefunden, alles ist gut. Und dann die Freude über eine vernünftige Zielzeit und meine Frau im Arm.

 

Ich habe wegen meines Einbruchs 20 Minuten auf Christian verloren und ihn im Ziel leider nicht mehr getroffen. Wie gut, dass ich seine Stratnummer kenne.

Leider war das Finishercatering etwas dürftig. Da bin ich von PlanB anderes gewohnt. Orangen, Bananen, Wurst, Käse, Brot und versalzene Suppe. Alkoholfreies Weizen und Wasser. Das war´s, hmm. Wenigstens etwas. Nachdem ich mich gestärkt habe, sind wir auch schon nach Hause gefahren.

 

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