Gabi´s Eiger Ultra Trail E51

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Der Tag versprach für's erste gutes Wetter. Gewitter nicht ausgeschlossen. Nach sehr kurzer Nacht, die auch für mich um 3 Uhr zu Ende war, da mein Göttergatte, der beim 101er startete, schon um 4.30 loslaufen musste und entsprechend früh im Zimmer rumwerkelte.

Für mich fiel der Startschuss eine Stunde früher als geplant, vorverlegt wegen Gewitter am Nachmittag, also um 5.45 Uhr. Die Stimmung war gut und ich versuchte gleich zügig loszulaufen um beim ersten Engpass nicht gleich im Stau zu stehen. Das kostete schon mal Kräfte und brachte nicht fiel, weil die Meute auch so dachte und so ging es am ersten Anstieg und Trail schon mal langsamer aber es lief zumindest. Irgendwie fand ich keinen Rhythmus, hatte zuviel und zu kurz vorher gefrühstückt und nach 1 Stunde bekam ich Kopfschmerzen. Ich trank zwar ständig aber bekam nicht viel in mich hinein. Der Anstieg zum Faulhorn war eine Quälerei, ich lenkte mich mit der herrlichen Landschaft ab. Vom Gefühl her war ich unendlich langsam unterwegs, das Kopfweh wurde bergab schlimmer und ich dachte einige Male daran, an der nächsten Verpflegung auszusteigen. Dort habe ich mir jedes mal Zeit gelassen und versuchte mindestens 3 Becher zu trinken. Nette, sehr bemühte Leute an der Verpflegung und auf Zack waren die auch. Danke dafür! Dann ging es wieder besser und ich lief weiter, den Eiger im Blick und die Trails ein Traum! Laufbar und flowig, leider wurde ich immer wieder durch eine Kopfschmerzattacke aus- gebremst oder ein anderer Läufer ließ mich nicht vorbei. Das lag aber meist daran, dass nicht alle Deutsch verstanden, als ich mir dann auf englisch Platz verschaffte funktionierte es besser. Irgendwann war ich dann auch mal alleine, das Feld hatte sich trotz der vielen Teilnehmer sehr auseinander gezogen. Dann, wie immer, kam meine Angst, den Weg zu verfehlen, weil ich niemanden mehr vor mir hatte. Das war aber unbegründet, da die Markierungen sehr gut waren. Lob an das Markierungsteam! Zwischen Egg und Schynige Platte regnete es kurz, aber lang genug, um aus dem super laufbaren Downhill eine Schlitterpartie zu machen. Konzentration war angebracht und die fiel mir zu dieser Zeit ziemlich schwer und ich knickte mal kurz um. Gott sei dank nix passiert!

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Bei der Schynige Platte hatten wir einen traumhaften Ausblick auf blaue Seen, egal in welche Richtung man schaute, es war so toll, dass ich zeitweise das Kopfweh ausblenden konnte. Jetzt umdrehen wär auch blöd.....dieser Spruch kam mir bei der Verpflegung Schynige Platte in den Sinn. Nö, jetzt zieh ich es durch!!!! Der Trail durch den Wald und der Downhill erforderten nochmal Kampfgeist von mir. Beim letzten Stück auf Asphalt, kurz vor der VP Burglauenen, meckerte mein Knie wieder, das ich mir beim Dolomiti Extrem Trail so fies angehauen hatte. Aber jetzt war schon fast das Ende in Sicht, so dachte ich zumindest..... Bei der VP in Burglauenen noch 'n Iso, Wasser und ein Biberli (Schweizer Gebäck Spezialität - warum gibt es die bei uns nicht????) dann wurde heißer, die Sonne war wieder da und brannte erbarmungslos. Kurz nach dem Bahnübergang kam die Kreuzung, wo es für die 101trailer wieder hoch nach Wengen und Männlichen ging (lustiger Name für einen Berg, warum heißt der so?). Hier eine Gedenkminute an meinen Mann Holger, der sich dort sicher schon hoch geschraubt hatte. Hoffentlich....Ich wusste, dass es für mich jetzt nochmal hart werden würde. 7 km noch, auf Schotter und Asphalt, in der Sonne, mit einem Kopf, der sich anfühlte wie eine Sektflasche, die geschüttelt aber nicht geöffnet worden war. Boah, das war so derb und ich beschloss, mich an den blauen Rucksack vor mir zu hängen, dachte an Holger und daran, dass mein 51km-Läufchen im Gegensatz zu seinem Vorhaben doch wohl ein Kinderspiel sein müsse..... Ich konnte Grindelwald sehen, die ersten Häuser. Jeder Millimeter, den es jetzt noch hoch ging wollte ich lieber gehen statt laufen, aber der blaue Rucksack war erbarmungslos und lief weiter seinen Trott. Bleib dran sagte ich mir immer wieder! Dann war der Bahnhof in Sicht, noch 1,5 km hieß es dort.

W A S??? Der blaue Rucksack kam näher, ich mobilisierte meinen letzten Kräfte und überholte ihn, bedankte mich für den Beistand und sah den letzten Anstieg. OMG! Nee, ich lass mich jetzt nicht mehr überholen und stöckelte den kurzen aber steilen Berg rauf. Fast oben gab es eine Dusche aus dem Schlauch, danke!! Und dann die Hauptstraße. Jipiiiiii, nur noch ein paar Meter Hindernislauf durch eine Gruppe verschreckter Japaner hindurch. Der Zieleinlauf dann über die eigens dafür gebaute Brücke, rauf- runter und ich war da!!! Nach 8.20 h hatte ich den Eiger Ultra 51 km und 3100 HM hinter mich gebracht, trotz Kopfschmerzen. Jetzt Dusche, eine Kopfweh Tablette und eine Mütze Schlaf bevor ich um 21.30 Uhr wieder im Zielbereich war, um auf meinen Mann Holger zu warten. 

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Um kurz vor 10 ging es dann los mit Gewitter, Sturm und starkem Regen und ich musste aufgrund von der Rennunterbrechung bis um kurz vor 24 Uhr auf meinen Schatz warten. Ich wollte nicht untätig rumsitzen und habe mitgeholfen, die Absperrungen wieder herzurichten, die der Gewittersturm umgeblasen hatte und als die Läufer wieder eindrudelten, durfte ich diejenige sein, die Finishershirte an die Überglücklichen verteilte. Das war für Holger ein besonderer Zieleinlauf, sein erster "100er", dann bekam er das Finishershirt und die Medaille (ein Stück Eiger) von seiner Frau überreicht! Ich habe ihn selten soooo glücklich gesehen!