Mein Bericht vom DXT 2015

 

96a95285ed9a146fbaa30847c3de6934.jpgSchon die Anreise ins Val di Zoldo war ein Abenteuer. Gefühlte tausend enger steiler Kurven musste unser Bus hinter sich bringen, bevor wir endlich dort waren.
Endlich Dolomiten! Tolles abendliches Panorama!

 

dede3a7933289d669bd3258e8c74c2d5.jpg Als erstes Mal die Startunterlagen holen und schon die ersten Höhenmeter gemacht. Italienisches Chaos und trotzdem haben wir recht zügig, Holger das Starterpaket für den 20km-Lauf/1000 hm und ich für den 53 km-Lauf mit 3800 hm, bekommen. Bei Holger befanden sich außer dem üblichen Werbungsgedöns auch eine Packung Nudeln und Espresso im Beutel und ich ging mal gleich noch das Finisher-Geschenk, ein Paar Haglöfs-Asics-GramGravel Schuhe, anprobieren. Gibt’s aber erst bei Erreichen des Ziels!!

Dann haben wir unseren Bus in einem Hinterhof geparkt und uns erst mal die obligatorischen Nudeln gekocht. Zusammen mit der Flasche Rotwein eine gute Grundlage für einen ruhigen Schlaf und Power für morgen. Ruhiger Schlaf, gut das hatte schon mal nicht geklappt, 2 Stunden mussten reichen um fit zu sein. Um 4.15 Uhr klingelte schon der Wecker, weil der Start um 5.30 Uhr angesetzt war. Ich war ja schon Wochen vorher total aufgeregt, wegen der technisch anspruchsvollen Strecke.

4fc14fc3457a3df9268c61c17bcddfba.jpg Im Start hippelte ich noch mehr rum und machte mir komische Gedanken von wegen ich hänge irgendwo in einer Seilversicherung und kann nicht mehr weiter…….uuuuaaahhhh! Gut, dass Carsten mir noch kurz vor dem Start einen Kurzabriss der Strecke (sehr beschönigt) gab und meinte :“Das schaffst du schon!...“ Da war ich etwas ruhiger. Der Startschuss fiel und ich ließ es gemütlich angehen lassen. Habe mir erst einmal Gesprächspartner gesucht. Den ersten habe ich am ersten Anstieg gleich mal stehen lassen, weg war er. Der nächste, ein netter Österreicher namens Dietmar, war nicht so leicht zu beeindrucken und wir liefen quatschend lange Zeit zusammen und trafen uns an den Verpflegungen immer wieder.
Die Strecke war auf die ersten 6 km einfach, aber dann kam es, wie es kommen musste. Ein sausteiler Singletrail, stufig, eng und teils ausgesetzt, so dass an Überholen nicht zu denken war. Jetzt war ich sauer, weil ich anfangs so getrödelt hatte. Hier hätte ich punkten können, weil so steile Anstiege ja mein Ding sind. Aber was soll`s, Kräfte sparen und schauen was noch kommt….
Die erste Verpflegung kam erst spät, nach 14 km und es gab nur was zu trinken. Ich hatte noch nichts gegessen und merkte nun dass es höchste Zeit dafür war, wollte ich nicht ins Loch fallen. Also erst mal den eigenen Riegel ausgepackt.
Die Strecke bestand fast nur aus Trail und war größtenteils in den Abstiegen extrem steil und rutschig nach dem Regen in der Nacht. Bei km 20 hatte ich dann erstmals einen Sturz, auf den Allerwertesten und mir die Hüfte heftig angehauen. Ein paar Meter weiter an einem komplizierten Stück des Downhills mit hohen Absätzen habe ich mir mit Karacho das re. Knie gegen einen Stein gehauen. Und erst mal Sterne gesehen. Die Flüche, die ich dann abgelassen habe, wurden auch von den italienischen Mitläufern verstanden!! Sie konnten in dem Fall auch nichts tun und ich blieb erst mal stehen, brauchte ziemlich lange um abzuchecken in wie weit ich überhaupt noch laufen konnte. Langsam humpelte ich weiter. Nach `ner halben Stunde ging es wieder einigermaßen und auch schon wieder senkrecht den Berg hoch.
Oben im Geröll dieser wahnsinnig schönen Berge hab ich dann das Knie fast vergessen und bin den flowigen Trail, auf über 2000 m, mit genialster Aussicht geradezu geflogen. Nochmal weiter bergauf, hier wurde es dann schon recht frisch aber wenigstens blieb es, bis auf ein paar Tropfen, trocken und die Sonne kam auch mal raus.
Ich erwartete mit Ehrfurcht die seilversicherte Passage. Und dann gings auch schon los: Schneefelder, Geröll und Abstiege die man klettern musste und die teils mit Seilen gesichert waren.  Das konnte langwierig werden. Komischerweise hielt sich meine Höhenangst jetzt in Grenzen. Ich hatte ja auch keine Wahl: Vor mir Läufer, hinter mir Läufer. Hier ein großes Lob an die Bergwacht, die jedem über die schwierigen Passagen geholfen haben oder einem einfach nur die Stöcke abgenommen haben, um sich mit beiden Händen halten zu können. Das gab ein sicheres Gefühl. Es drängelte niemand und ich stellte fest, dass ich welche vor mir hatte, die noch viel unsicherer waren als ich. OK, dann stellte ich  mich wenigstens nicht alleine so dackelhaft an ;-)
Dann wurde es wieder leichter, zumindest laufbar. An allen Verpflegungsstellen ließ ich mir Zeit und dort wo es Nutellabrote gab, hätte ich mich am liebsten häuslich niedergelassen;-)
Beim Passo Staulanza, der Einstieg der 20km-Trailer, hatte ich schon fast 8,5 h und somit war klar, dass dieser Lauf nicht unter 10 h zu machen war, zumindest nicht für mich. Es waren noch 16 km zu bewältigen, mit ca. 800 hm und es war nochmal ein schwerer Downhill zu erwarten. Die schwierigen Seilpassagen hatten doch viel Zeit gekostet. Es war über weite Strecken kein Überholen möglich und es war mir in diesem Lauf auch nicht wichtig. Ich wollte nur sicher und möglichst ohne weitere Verletzung in Ziel kommen und –bitteschön- auch ein bisschen Spaß haben. Am letzten Uphill lief es dann noch erstaunlich gut und konnte noch einige Plätze gut machen. Wie immer freute mich das nur begrenzt, wusste ich doch genau, dass die meisten der Überholten bergab wieder an mir vorbeidüsen würden. Grrrr. Das Knie sagte auch wieder hallo und somit war der Abstieg nochmal langsamer als sonst. Der Trail ging dann in einen Schotterweg über, auf den ich nun keine Lust mehr hatte und die letzten km auf Asphalt in Forno di Zoldo zogen sich trotz dem tollen Publikum wie Kaugummi. Die letzten Meter vor dem Ziel ging es noch einmal leicht bergauf und das war bei mir nun gar nicht mehr auf dem Schirm, ich wollte nicht mehr aufwärts!!! Da kam Carsten daher und lief noch ein paar Meter mit. Der liebenswerte Lugebeutel;-), hätte er mir beim Start die Wahrheit über diese Kraxelei gesagt, wäre ich wahrscheinlich gar nicht erst losgelaufen;-) Danke dafür, sonst hätte ich die tollste Trailstrecke meiner Läuferkarriere verpasst! Und einen stolzen Sieg über den „Höhenängstlichen Schweinehund“…


458ff1a8991baf535b728d29e7831724.jpgNach 10h 52min lief ich als 19. Frau gesamt / 9. AK ins Ziel und weinte meinem Schatz erst mal ein paar Tränen an die Schulter so überwältigt war ich, dieses Abenteuer geschafft zu haben. Kein Lauf, außer vielleicht der Transalpine Run, hat mich emotional so mitgenommen wie der Dolomiti Extrem Trail.
6db68fa9bf44c4f79b762f56fad2ed1e.jpg Im Ziel gab es dann erstmal 2 alkfreie Bier auf Ex und für’s Knie Eisspray von den netten Rot-Kreuzlern. Nach der Eiswasserwannen-Kühlung ging es wieder besser und nach Dusche und kostenloser Massage war ich wieder Mensch. Zwar ein humpelnder aber ein stolzer! Das Knie bekam noch `ne Traumeel-Salbung und ich hoffte auf einen baldigen Rückgang der Schmerzen und der Schwellung.
Dann holte ich mir mein Finisher-Geschenk, die roten Haglöfs Trailrunning Schuhe und anschließend ließen wir uns die Pasta schmecken. Nach dem Essen wollten wir nicht mehr bis zur Siegerehrung bleiben und fuhren, nach Verabschiedung von Dietmar und seiner Frau, wieder Richtung Heimat. Noch einmal bekamen wir einen Eindruck dieser herrlichen Bergwelt der Dolomiten, in der jetzt langsam dicke schwarze Gewitterwolken aufzogen.
Fazit: Ein lohnenswerter Lauf. Technisch anspruchsvoll und kräftezehrend. Gute Orga und Verpflegung. Vor allem aber waren die Gastgeber voll dabei und standen hinter der Veranstaltung mit viel Herzblut, was man gemerkt hat. Komme bestimmt  mal wieder! Danke an Carsten für die „Lügen“ und danke an Dietmar für die gute Unterhaltung auf der Strecke. War schön Euch kennenzulernen! Danke für die Betreuung im Ziel durch meinen Schatz, schmatz!