TAR 2015, Obersdorf nach Sulden,

268 km mit 16.000 HM hoch und 14.000 HM runter. Für mich war es der 4. Transalpin Run. 2 mal mit meinem Mann, 2006 und 2008. Das wollte ich dann nicht mehr haben, da es im Teamwettbewerb, gerade bei einer so heftigen Strecke, doch viele Hochs und Tief kommen, was eine Ehe ganz schön stressen kann. Dann 2010 im Damenteam mit einer 17 Jahre jüngeren Partnerin und 2015 diese Wiederholung des suchtauslösenden Alpencross` mit wieder einer Frau. Elke aus Nürnberg.

Unser Teamname: Running Marmots. Elke musste letztes Jahr beim TAR verletzungsbedingt aus dem Rennen gehen. Wir haben im Vorfeld einige Male miteinander trainiert und ich war mir sicher, dass die Chemie stimmt und der Leistungsunterschied nicht so ins Gewicht fallen wird. Die ersten 3 Tage war es heiss. Mein Wetter. Elke hatte mehr zu kämpfen. Die Strecke war ein Traum und als wir dann am 4. Tag die Halbzeit hatten, waren wir sicher das Ding gemeinsam zu schaffen. Am 5. Tag hatte ich schon morgens Magenprobleme. Elke schon vorher immer wieder und von anderen Teilnehmern hörte man Ähnliches. Viele waren schon aus dem Rennen raus, die Hitze und ein Magen-Darm-Virus forderte Opfer. Also war Tag 5 nicht meiner, aber egal, weil es der Tag des Bergsprints war, mit nur knapp 900 hm und 7 km. Das Bergauf war nicht das Problem, auch mit Magenschmerzen kamen wir gut hoch. Wir haben den Nachmittag dann mit Sauna und Ruhe ausklingen lassen. Tag 6 ging bei mir wieder besser und wir kamen gut von Samnaun nach Scuol. Das Wetter spielte wieder mit und es war deutlich kühler als zuvor. Traumhafte Schweizer Bergkulisse! Grandiose Ausblicke und die Freude darüber wechselten sich ab mit dem Kampf an vielen steilen Anstiegen, anspruchsvollen Trails und müden Muskeln. Tag 7. Auf diese Etappe hatte ich mich schon im Vorfeld gefreut. Zwar kannte ich das Val D´Uina schon, diese Schlucht ist aber auch mehrmals sehenswert und einfach nur atemberaubend! Ein, in den Fels gehauener Wanderweg, soviel Mühe machen sich nur die Schweizer! Leider ging es Elke heute nicht gut. Der Magen wieder. Sie konnte kaum essen und trinken und dementsprechend fehlte die Kraft. Ich unterstützte sie immer wieder durch schieben und sie hielt sich an meinem Rucksack fest, damit ich sie ziehen konnte. Sie konnte diese herrlich Etappe leider nicht genießen. An der letzten Verpflegungsstation hab ich dann den Arzt gebeten, ihr was für den Magen zu geben. Dann ging es langsam wieder besser und Gottseidank nur noch bergab. Es lief wieder, hurra! In St. Valentin waren wir froh, nach 6,5 h endlich eine Dusche zu bekommen. Abends auf der Pastaparty, die auf einer urigen Berghütte stattfand, war Elke nicht da. Andi, ihr Mann, sagte dass es ihr nicht gut geht. Kein Wunder, nach 38 km mit 1633 hm fast ohne essen und trinken. Dann der Schock. Andis Handy klingelte. Elke. Sie will den Notarzt rufen, oder Andi soll kommen und sie ins Krankenhaus bringen. Da habe ich richtig Angst um sie bekommen. Andi ist natürlich gleich los und hat sich erst spät gemeldet. Elke bekam 3 Infusionen. Total dehydriert. Sie durfte zwar am selben Abend wieder raus aus dem Krankenhaus, aber da war mir schon fast klar, dass dies das Ende unseres Traumes sein würde. Am nächsten Morgen kam per whatsapp die Nachricht. "Ich kann nicht starten. Es tut mir so leid".... Sie kam trotzdem zum Start. Klar gab es Tränen auf beiden Seiten aber Gesundheit geht vor. Nun gut, dann laufe ich halt alleine zu Ende. Aus der Traum. Die letzte Etappe wurde aufgrund des schlechten Wetters auf weniger Höhenmeter gekürzt. 40 km und 1600 hm standen auf dem Programm. Auf die Tabarettascharte mit 2880 Meter Höhe wurde bei der Schlussetappe verzichtet. Gott sei Dank, denn der Blick auf die Bergspitzen ließ uns frieren....alles weiß! Es regnete leicht, egal, denn das passte zu meiner Stimmung. Ich vermisste meine Elke schon beim Loslaufen. Unglaublich wie einen 7 Tage der Freude, Anstrengung und Emotionen zusammenschweißen.

Die 40 km zogen sich wie Kaugummi und ich versuchte mich irgendjemanden anzuhängen. Diverse Gespräche auf der Strecke. Vielen ging es wie mir, sie mussten alleine ins Ziel nach Sulden laufen. Der letzte Anstieg. Meine Gedanken waren wirr... Bald bin ich da....muss alleine über die Ziellinie....das ist doof...das fühlt sich nicht gut an....ich heulte. Dann hab ich weiter vorne Anke und Heide vom Team Happy feet gesehen. Ja! Ich hänge mich an diese Mädels und laufe mit ihnen ins Ziel! Geteilte Freude ist die schönere! Die beiden haben wir den ganzen Lauf immer mal wieder getroffen. Letztlich waren sie dann aber flotter als wir unterwegs. Heute hatte ich sie eingeholt und überholt. Aber der Wettkampfgedanke beim TAR ist anders. Zumindest bei denen, die im Mittelfeld unterwegs sind. Wir wollen ankommen. Kurz vor dem Ziel warte ich auf Anke und Heide und laufe mit ihnen in Sulden ins Ziel. Emotionen pur auf Seiten der Beiden. Ich habe mich natürlich auch gefreut aber mit Elke wäre das Erlebnis noch viel schöner gewesen. Sektdusche mit Team Happy Feet. Elke war auch da. Herzliche Umarmung. Tränen der Freude... und Trauer....manchmal liegt das ganz nahe beieinander. Von 33 gestarteten Damenteams kommen nur 15 zusammen in Sulden an. Darunter auch das Team Saustark, Uli und Sandra, auch aus Oberbayern. Die Trailrunnerwelt ist klein. Hoffe die beiden bald wieder zu sehen.

Das Ergebnis vom Team Running Marmots 49.14 h Und: JA, ich würde es wieder tun.......